2. Persönliche Situationsanalyse
|
Marlies Schneeberger
Funktion: Abteilungsleiterin
Arbeitgeber:
Lindenhofspital Bern
Fachbereich: Innere Medizin
Seit dem 1. Januar 2000 leite ich eine Station der Schwerpunktabteilung Innere
Medizin am Lindenhofspital Bern.
Meine Hauptaufgabe liegt in der Führung, Begleitung, Förderung und Qualifizierung
des Pflegepersonals. Dieses besteht aus folgenden Fachpersonen:
21 AKP I DN II
1 DN I
1 FASRK
4 SCHüLERINNEN
3 SR. HILFEN
Glücklicherweise wurde ich bis heute in meiner Funktion als Abteilungsleiterin nie mit
einem "Mobbing-Fall", sei dies in eigener Person, oder eines meiner Teammitglieder
konfrontiert.
Diese Aussage soll jedoch nicht bedeuten, dass es während meiner Anstellungszeit
keine Stolpersteine diesbezüglich gab!
In den letzten zwei Jahren kam es bei den Pflegenden zu zwei nicht ganz freiwilligen
Kündigungen. Im ersten Fall konnte sich die betroffene Person mit der Leitung über
den Beschäftigungsgrad nicht einigen. Genau ein Jahr später, zeigten sich bei einer
neuangestellten Mitarbeiterin grosse, nicht zu übersehende, fachliche Mängel (dies
nach einer 10-monatigen, engen Betreuung und Begleitung). Dieser Mitarbeiterin
wurde nahegelegt, die Kündigung einzureichen. Diese Aufforderung stiess bei der
betroffenen Person, sowie im ganzen Team auf Unverständnis. Das Wort Mobbing
wurde nie verbalisiert, doch dieses Thema lag in der Luft.
Bei der Mithilfe an dieser Projektarbeit sehe ich eine Chance, den MitarbeiterInnen
meinem näheren Umfeld aufzuzeigen, was Mobbing wirklich ist, welche
Erscheinungsformen möglich sind und wie wir vorbeugend wirken können.
Die Auswahl des Projektthemas war anfänglich nicht ganz freiwillig. Meine primär
ausgewählte Projektgruppe wurde nach der ersten Sitzung aufgelöst. Dies löste bei
mir im ersten Moment Frustration aus, hatte ich mich doch mit dem ausgewählten
Thema bereits identifiziert.
In meiner jetzigen Arbeitsgruppe wurde ich jedoch ohne Bedenken aufgenommen,
obschon ich sicherlich als Störfaktor dazu kam. Der Arbeitsprozess hatte nämlich
schon begonnen.
Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten konnte ich mich jedoch für das aktuelle Thema
erwärmen und mit einem positiven Feedback von meinen TeamkollegInnen gelingt
es mir nun, engagiert und motiviert meinen Beitrag zu leisten.
Wie kam es dazu, dass ich mich für die Projektarbeit zum Thema Mobbing
entschieden habe?
Vor einem Jahr wechselte ich im Wohnheim die Stelle, um auf einer anderen
Grossgruppe als Gruppenleiter Stv. zu arbeiten.
Nach einiger Zeit musste ich feststellen, dass der Gruppenleiter vor allem die
schwächeren MitarbeiterInnen immer wieder schikanierte. Ich befand mich bald in
einer schwierigen Situation, denn ich musste mich entscheiden auf welche Seite ich
mich stellen wollte. Eine neutrale Position gab es nicht, ohne dabei am Verhalten des
Gruppenleiters mitverantwortlich zu werden.
Ich informierte mich deshalb bald über das Thema Mobbing. Es folgten einige
schwierige Monate, in denen viele Gespräche mit der Heimleitung, den betroffenen
MitarbeiterInnen und dem Gruppenleiter nötig waren. Auch ich musste einiges
einstecken, wurde mit dem Vorwurf konfrontiert ich würde den Gruppenleiter
mobben.
Nun hat sich die Situation geklärt, auch wenn auf unserer Gruppe noch viel Arbeit
ansteht um ein neues Miteinander zu finden.
Am meisten erstaunt hat mich in dieser Zeit immer wieder, wie viel sich einige
MitarbeiterInnen durch den Gruppenleiter über Jahre hatten bieten lassen, wie gross
die Angst vor ihm bei manchen war und wie schlecht einige über ihre Möglichkeiten
und Rechte informiert waren.
Auch erstaunt hat mich in meiner sozialen Berufskarriere oft, wie unbarmherzig wir,
das Personal, in unserem Arbeitsalltag miteinander umgehen, wie wenig es braucht,
dass jemand nicht mehr erwünscht ist.
Auch in meinem Privatleben wurde ich schon mit dem Thema Mobbing konfrontiert.
Katja Wegner
Ich arbeite seit 3 Jahren als Operationsschwester im
Kantonalen Spital Walenstadt.
Anfangs hatte ich etwas Mühe mich zu entscheiden, welchem Projektteam ich mich
anschliessen sollte. Da die Problematiken im Operationssaal meistens anders als auf
der Abteilung sind.
Ich habe mich für dieses Projektteam entschieden, da ich vor 1½ Jahren einen
"Mobbing-Fall" in meinem Op-Team hatte. In unserem Team herrschte eine lange
Zeit grosses Misstrauen und es ging die Angst um, dass man etwas falsches sagen
könnte.
Kommunikativer Stillstand und Vertrauensbruch waren die Folgen dieser Situation
und das geschah aus Unwissenheit zum Thema Mobbing. Wir waren uns nicht
bewusst, was Mobbing bedeutet und welche Auswirkungen Mobbing in unserem
Team hat.
Anhand dieser Situation konnte ich mich mit dem Thema dieser Projektarbeit
identifizieren und auf Grund meiner Erfahrung in diesem "Mobbing-Fall" einen guten
Beitrag zu dieser Projektarbeit leisten.
Ornella Mawete - Manca
Seit einem Jahr arbeite ich als leitende Hebamme an der
Privatklinik Stephanshorn.
Bei meinem Vorstellungsgespräch klang alles sehr positiv. Das Einzige, was mir
gesagt wurde, dass es ein sehr schwieriges Hebammenteam sei. Ich hatte noch
keine Führungserfahrungen und war sehr darauf angewiesen, volle Unterstützung
von der PDL zu erhalten. Dies wurde mir auch 100%-ig zugesprochen. Leider
erkannte ich bald, dass grosse Probleme und Defizite in der Führung im ganzen
Haus herrschten. Ich merkte, dass ich keine Wahl hatte, entweder ich richtete die
Entscheidungen - Befehle meines PDL's aus oder ich bekam Probleme. Mir wurde
die Rolle einer Marionette aufgetragen was meinen Vorstellungen absolut nicht
entsprach. Also suchte ich mit der PDL das Gespräch. Dieses verlief nicht nach
meinen Vorstellungen. Ich wusste nicht mehr weiter und ging zu einer neutralen
Vertrauensperson. Dieser erzählte ich meine ganze Geschichte. Sie riet mir, dies
unbedingt bei der nächst höheren Stelle der Klinik zu deponieren. Dank dieser
Person und der Führungsschulung war es mir möglich, die richtigen Schritte
einzuleiten.
Dies ist der Grund, warum ich in dieser Projektgruppe mitmachte. Da ich zuvor noch
nie mit solch grossen Teamproblemen konfrontiert worden war, kannte ich gezielte
Anlaufstellen nicht. Ich glaube, dass es mehr Mobbing gibt als man denkt. Darum ist
es sehr wichtig, Anfangssignale zu erkennen und die richtigen Schritte einleiten zu
können. Ich hatte Glück, und das Problem wurde ernst genommen bzw. es war
schon längere Zeit bekannt. Seit 5 Monaten arbeitet das gesamte Kaderteam
zusammen mit einem externen Berater daran, die Zusammenarbeit zu verbessern.
Barbara Pobitzer
Funktion
|
|
Abteilungsleiterin Akut,
Schwerpunkt Personalansprechspartnerin
Führung, Begleitung, Qualifizierung und Förderung
|
Name Spital
|
|
Ospidal Val Müstair
|
Anzahl Personal
|
|
35
|
Besonderheiten
|
|
- Liegt peripher im östlichsten Teil des Kantons Graubündens
und nahe an der italienischen Grenze
- Aufeinandertreffen von versch. Kulturen bzw. Mentalitäten,
welche Vor- wie Nachteile mit sich bringen
|
Probleme
|
|
- Mangel an offener Kommunikation zwischen den
verschiedenen Berufssparten und Leitungsebenen
- Falsche Umgangsformen untereinander
- Anzeichen von beginnendem Mobbing sind erkennbar
|
Stellungnahme zum Thema
|
|
Vor Stellenantritt wurde ich noch nie mit Mobbing oder
Machtmissbrauch konfrontiert, doch mit der Zeit durchblickte ich
die bestehende Problematik. Es gab einige Probleme im Team,
die schon lange vorhanden waren, man auch versucht hat sie
anzusprechen, doch leider ohne ersichtlichen Erfolg.
Aus diesem Grund habe ich mich für dieses Thema
entschlossen, mit dem Ziel meine Vorgesetzten und
MitarbeiternInnen nochmals auf die bestehende Problematik
hinzuweisen, sie zu sensibilisieren und ihnen gleichzeitig eine
Hilfestellung mit dem von uns erarbeiteten Merkblatt zu bieten.
Zusätzlich wurde eine Teamentwicklung organisiert, wo alles zur
Sprache kam. Meine Erwartungen sind hoch. Ich möchte dass
jeder Einzelne an der bestehenden Problematik arbeitet, so dass
sich unser Team auch wieder TEAM nennen kann.
|
|
|
|
|