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6. Theoretische Grundlagen

Begriffserklärung:
„To mob" aus dem Englischen übersetzt heisst anpöbeln, bedrängen und schikanieren.

6.1

 

Was bedeutet Mobbing für uns

Mobbing bedeutet, dass eine Person oder eine Gruppe am Arbeitsplatz von gleichgestellten,
 

vorgesetzten oder untergebenen MitarbeiterInnen schikaniert, belästigt, beleidigt, ausgegrenzt oder mit kränkenden Arbeitsaufgaben bedacht wird. Die gemobbten Personen fühlen sich mit der Zeit unterlegen. Der Betroffene wird systematisch und zielgerichtet ausgegrenzt. Mobbing ist nie eine einzelne Handlung, sondern ein langer zermürbender Nervenkrieg.

Zwischenmenschliche Konflikte gibt es seit Menschen zusammenarbeiten. Die Grenze zwischen alltäglicher Aggression, Machtkampf und Mobbing sind jedoch fliessend. Wichtig ist es den Unterschied bzw. übergang von Konflikten zum Mobbing zu erkennen.

Einmalige Vorfälle sind kein Mobbing.

Ebenfalls kann man nicht von Mobbing sprechen, wenn zwei gleich starke Parteien in Konflikt geraten.

6.2

 

Mobbing-Arten

6.2.1

Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation

  • Sie erhalten Aufgaben weit unter ihrem Können
  • Die Kollegen geben ihr „kränkende" Arbeitsaufgaben
  • Die Kollegen geben der Betroffenen Arbeitsaufgaben, die ihre Qualifikation übersteigen, um sie zu diskreditieren

6.2.2

Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen

  • Der Vorgesetzte oder die Teamkollegen schränken die Möglichkeit ein, sich zu äussern
  • Die Betroffene wird ständig unterbrochen, es ist keine normale Verständigung mehr möglich
  • Anschreien oder lautes Beschimpfen
  • Ständige Kritik an der Arbeit oder auch im Privatleben
  • Mündliche oder schriftliche Drohungen
  • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten
  • Zurückhalten von Informationen

6.2.3

Angriffe auf die sozialen Beziehungen

  • Die Kollegen sprechen nicht mit den Betroffenen, sie behandeln ihn „wie Luft"
  • Die Kollegen lassen sich nicht ansprechen, geben einem keine Antwort
  • Versetzung in einem Raum weitab vom Kollegen

6.2.4

Angriffe auf das soziale Ansehenn

  • Hinter dem Rücken der Betroffenen wird schlecht gesprochen, die Gerüchteküche beginnt zu brodeln
  • Die Kollegen machen die Betroffenen lächerlich
  • Die Kollegen imitieren den Gang, die Stimme oder Gesten, um die Betroffenen lächerlich zu machen
  • Die Kollegen machen sich über das Privatleben/ Nationalität/ Religion lustig
  • Die Kollegen beurteilen den Arbeitseinsatz in falscher oder kränkender Weise, es werden Entscheidungen der Betroffenen in Frage gestellt


6.3

 

Mobbing-Phasen

Es werden folgende Phasen unterschieden:
  1. Phase: Schlechte Konfliktbewältigung
    Am Anfang eines Mobbing-Prozesses steht gemäss LEYMANN (1995) oft ein unausgetragener Konflikt, der mit der Zeit unterschwellig weiter wirkt und das Klima vergiftet. Allgemein herrscht eine aggressivere, gereizte Stimmung unter den MitarbeiterInnen, es wird aber aus Angst nichts unternommen.

  2. Phase: Feindseligkeit
    Böse Bemerkungen, Sticheleien, Gehässigkeiten gegenüber zielgerichteten Personen sind der Beginn der 2. Phase. Der ursprüngliche Konflikt tritt dabei in den Hintergrund. Es bilden sich sog. „ OPFER-" und „TäTERROLLEN ."

  3. Phase: Rechts- und Machtübergriffe
    Die gemobbt Person wird nicht mehr akzeptiert und respektiert, niemand will mehr mit ihr
     

    zusammenarbeiten. Mobbing-Betroffene leiden bereits nach relativ kurzer Zeit unter niedrigem Selbstwertgefühl, ihre Konzentrationsfähigkeit sinkt, sie machen zusehends Fehler. Ihr dadurch entstandenes schlechtes Befinden, dient zur Rechtfertigung weiter gehender Ausgrenzungs-Akte. Der reguläre Arbeitsablauf ist gestört, sodass der Betrieb die Gemobbten zunehmend als störend empfindet, sofern er die Problematik nicht erkennt. Aufgrund der vorgefallenen Fehler wird ihnen nahegelegt zu kündigen. Der

    Gesundheitszustand des Mobbing-Opfers, hervorgerufen u.a. durch die soziale Isolation und die Zurückweisungen, verschlechtert sich hin bis zu schweren Erkrankungen.

  4. Phase: Es können physische und psychische Symptome auftreten
    Symptome wie: Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schlafstörungen, Suchtgefahr, psychosomatische Erkrankungen, ängste, Depressionen, Traumata bis hin zu Suizidgedanken…machen sich bemerkbar. Der seelisch und körperliche Stress kann die Mobbing-Opfer zu falschen Hilfsmitteln verführen, wie z.B. Medikamente, Alkohol, Fresssucht, Drogen...

  5. Phase : Ausschluss aus der Arbeitswelt
    Am Ende eines Mobbing-Prozesses steht der Ausschluss der Betroffenen aus ihrem Arbeitsumfeld. Aufgrund mangelnder Arbeitsweise, langfristigen Krankschreibungen usw. wird ihnen die Kündigung nahegelegt.

6.4

 

Mobbing-Auswirkungen

6.4.1

Berufsalltag

  • Fahrlässige Handlungen in der direkten/indirekten Pflege
  • Personalausfall durch Krankheit
  • Mangelnde Arbeitsqualität
  • Veränderung von Teamkultur/ Teamdynamik

6.4.2

Privatleben

  • Rückzug aus dem sozialen Umfeld (Freunden- und Bekanntenkreis)
  • Beziehungskonflikt
  • Vernachlässigung der eigenen Interessen
  • Finanzielle Einschränkung

6.4.3

Geselllschaft

Die Volkswirtschaftlichen Folgeschäden von Mobbing sind enorm. Für den Betrieb ergeben
 

sich Kosten durch:
- Fehlzeiten
- Fluktuation
- Minderleistung des Betroffenen
Exakte Kostenrechnungen gibt es bislang noch nicht. Aus der Schweiz fehlen leider genaue Zahlen.

Aus Deutschland liegen folgende Zahlen vor:

Fehlzeiten
Schwedische und norwegische Untersuchungen belegen, dass von Mobbing Betroffene häufiger Fehltage haben (z.T. wegen psychosomatischer Beschwerden, z.T. als Flucht):
  • Kosten eines Fehltages: 100,00 € bis 400,00 €
  • Ein Prozent Krankenstand kostet für ein Unternehmen mit ca. 1000 Mitarbeiter 200.000,00 € jährlich
  • Zum Beispiel ein Prozent Krankenstand für den Volkswagen Konzern kostet ca. 23 Millionen € im Jahr
  • Kosten der krankheitsbedingten Fehlzeiten durch Mobbing insgesamt für die deutsche Wirtschaft 50 Milliarden € im Jahr 1996
Fluktuation
Kosten der Fluktuation:
  • Facharbeiter 7.500,00 €
  • Sekretärin 12.500,00 €
  • Qualifizierter Facharbeiter 25.000,00 €
  • Führungskraft 200.000,00 €

In einer schwedischen Untersuchung wurde festgestellt, dass
60% der "freiwilligen" Austritte aus dem Unternehmen mit
Unbehagen oder Schikane am Arbeitsplatz begründet werden.


Minderleistung
27% der Befragten einer norwegischen Studie gaben an, dass Mobbing am Arbeitsplatz ihre Effektivität reduziert.
Eine Untersuchung in Deutschland fand heraus, dass von Mobbing Betroffene zuerst mit erhöhter Leistung reagierten, dann aber, als sie die Sinnlosigkeit ihres Bemühens einsahen, zu Minderleistung, Arbeit auf Anweisung usw. überging. Dies erfüllt alle Merkmale der "inneren Kündigung".

Zu den betrieblichen Kosten sind noch sehr grosse Ausgaben hinzuzuzählen, die der Gesellschaft durch Heilbehandlungen, Rehabilitationskuren, Dauerarbeitslosigkeit oder Frühverrentung entstehen. Es existieren dazu nur Schätzungen und keine genaue Zahlen.

Wir sind der Meinung es sollte im Interesse jedes Betriebes sein, Mobbing- Fälle möglichst nicht entstehen zu lassen. Dadurch können enorme Kosten bedingt durch Arbeitsausfälle und Qualitätsverluste vermieden werden.


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