|
Die 1.Phase (1946)
Die 2.Phase (1964)
polit. Unruhen
amerik. Phase
Tet-Offensive
Vietnamisierung
Proteste
Eskalation
Kurzer Frieden
Die 3. Phase (1974)
Auswirkungen
Biografie eines Flüchtlings
 Abtransport
verwundeter Soldaten aus den fran-zösischen Stellungen bei Bien Phu wenige
Tage vor der Kapitulation im Früh-jahr 1954

Amerikanische Flugzeuge versprühen über den Re-genwäldern Süd-Vietnams das Entlaubungsmittel Agent Orange (1966)
Kinder auf der Flucht nach einem Napalmangriff der südvietnamesischen Luftwaffe auf Trang Ban am 8.Juni 1972


























|
Der Vietnamkrieg
Vietnamkrieg, Krieg in Vietnam von 1946
bis 1975 um die Unabhängigkeit, die Einheit und die Vorherrschaft im Lande.
Der Krieg verlief in mehreren Phasen; die erste, die französische Phase
(1946-1954), wird vielfach unter der Bezeichnung Indochinakrieg als
eigenständiger Krieg beschrieben.
Der Krieg begann als Kampf Vietnams gegen die
französische Kolonialherrschaft, griff in seiner zweiten Phase auch auf
Laos und Kambodscha über und entwickelte sich zu einer der wichtigsten
Auseinandersetzungen im Rahmen des Ost-West-Konflikts mit internationaler
Beteiligung. Er wurde international äußerst heftig und kontrovers
diskutiert und rief weltweit antiimperialistische Protestbewegungen
hervor.
Die erste Phase (1946-1954)
Nach der Niederlage Japans im 2.Weltkrieg und dem
Abzug der japanischen Truppen aus Indochina kam es am 2.September 1945 in
Hanoi im Norden Vietnams zur Errichtung der "Demokratischen Republik
Vietnam". Diese forderte unter ihrem Präsidenten HO CHI MINH, dem Gründer
und Führer der kommunistisch ausgerichteten "Liga für die Unabhängigkeit
Vietnams", des Vietminh, die uneingeschränkte Souveränität für ganz
Vietnam und rief damit einen militärischen Konflikt mit Frankreich hervor,
das seine Kolonialherrschaft in Indochina wiederherstellen wollte. Der
Krieg brach im November 1946 aus, als französische Kriegsschiffe die
Hafenstadt Haiphong beschossen, nachdem der Vietminh die französische
Forderung nach Abzug aller seiner Truppen aus der Stadt ignoriert hatte;
in der Folge konnten die Franzosen die Truppen des Vietminh bis westlich
von Hanoi zurückdrängen.
1949 setzte Frankreich den vietnamesischen Kaiser
Bao Dai, den der Vietminh 1945 abgesetzt hatte, in Saigon (heute
Ho-Chi-Minh-Stadt) wieder als Staatschef der "Republik Vietnam" ein. Nach
dem Sieg der Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg 1949 erhielt der
Vietminh politische und militärische Unterstützung von China und konnte in
Vietnam nach und nach an Boden gewinnen. Der Westen befürchtete nun -
entsprechend der so genannten Dominotheorie - ein Übergreifen der
kommunistischen, antikolonialen Bewegung auf die benachbarten Länder,
weshalb die USA 1950 der französischen Bitte um Hilfe nachkamen und
Frankreich umfangreiche finanzielle und logistische Unterstützung zukommen
ließen.
1953 hatte sich der Vietminh im größten Teil
Vietnams durchgesetzt und brachte am 7.Mai 1954 den französischen Truppen
bei Dien Bien Phu im Norden Vietnams die entscheidende Niederlage bei. Am
21.Juli 1954 wurde auf der Genfer Indochinakonferenz ein Waffenstillstand
zwischen dem Vietminh und Frankreich geschlossen; der 17.Breitengrad wurde
als vorläufige Demarkationslinie festgelegt, die Vietminh-Truppen zogen
sich in den Norden zurück, die Franzosen und ihre Verbündeten in den
Süden. Im Norden lebte die Demokratische Republik Vietnam unter Ho Chi
Minh weiter, im Süden die Republik Vietnam unter dem von den USA
unterstützten Regierungschef Ngo Dinh Diem. Außerdem sah das Abkommen für
1956 gesamtvietnamesische Wahlen zur Wiedervereinigung des Landes vor. In
der Folge des Genfer Abkommens verstärkten die USA, mit Zustimmung des
Westens, ihr Engagement in Süd-Vietnam, um die Ausweitung des
kommunistischen Staatssystems auf den Süden zu verhindern; Nord-Vietnam
wurde von der Volksrepublik China sowie der Sowjetunion und den
europäischen Ostblockstaaten unterstützt.
zurück
Der Beginn der zweiten Phase des
Krieges
1955 lösten die USA Frankreich als Schutzmacht in
Süd-Vietnam ab. Mit amerikanischer Rückendeckung errichtete Ngo Dinh Diem
ein autoritäres Regime, unterdrückte jede Art von Opposition, baute eine
starke Armee auf und holte zahlreiche amerikanische Militärberater ins
Land. Die für 1956 vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen scheiterten
am Widerstand Diems: Der Vietminh konnte sich in ganz Vietnam auf die
Zustimmung der Mehrheit der vor allem bäuerlichen Bevölkerung stützen,
während Diems Regierung nur über eine äußerst schmale Basis verfügte. Diem
lehnte die Wahlen ab mit dem Argument, dass im Norden die Meinungsfreiheit
nicht gewährleistet und mit Wahlfälschungen zu rechnen sei.
Ab
1957 begann der südvietnamesische Vietcong ("vietnamesische Kommunisten")
gegen Diems Regime und auch gegen amerikanische Militäreinrichtungen mit
Guerillaaktionen vorzugehen; er konnte dabei auf die Unterstützung seitens
Nord-Vietnams zählen und das Nachschubsystem aus den Zeiten des
Indochinakrieges, den Ho-Chi-Minh-Pfad, nutzen. 1960 schuf sich der
Vietcong in der "Nationalen Befreiungsfront von Süd-Vietnam" (Front
National de Libération du Viet-Nam Sud, FNL) eine von Nord-Vietnam
abhängige politische Organisation.
zurück
Politische Unruhen in
Süd-Vietnam
Angesichts der zunehmenden
Angriffe des Vietcong bekräftigten die USA erneut ihre Unterstützung für
Saigon. Im April 1961 unterzeichneten sie mit Süd-Vietnam einen
Freundschafts- und Wirtschaftsvertrag, und ab Dezember verstärkte
Präsident John F.Kennedy die militärische Präsenz der USA in Süd-Vietnam;
Ende 1962 waren bereits 11200US-Soldaten in Süd-Vietnam stationiert, ein
Jahr später zusätzliche 5000.
Unterdessen sah sich das Diem-Regime zunehmend vom
Vietcong bedrängt; der Vietcong hatte bald den größten Teil der ländlichen
Gebiete Süd-Vietnams unter seiner Kontrolle und begann mit dem Aufbau
einer eigenen Verwaltung, während sich die südvietnamesischen
Regierungstruppen immer weiter zurückziehen mussten. Daneben setzten z.B.
auch Buddhisten und Angehörige anderer weltanschaulicher und religiöser
Gruppen, die von der Regierung unterdrückt wurden, deutliche Zeichen ihrer
Opposition gegen das Regime in Form von Selbstverbrennungen.
Am
1.November 1963 wurde Diem in einem Militärputsch gestürzt und
hingerichtet. Im Sommer 1971 belegte die Veröffentlichung der geheimen
Pentagon Papers in den USA, dass die USA im Vorfeld von dem Putsch gewusst
und sich bereits auf die Zusammenarbeit mit der Nachfolgeregierung
vorbereitet hatten.
Nach
weiteren Militärputschen und zehn verschiedenen Regierungen innerhalb von
18Monaten, die alle am Widerstand des Vietcong scheiterten, übernahm
Nguyen Van Thieu 1965 die Regierung; 1967 wurde er außerdem
Staatspräsident.
zurück
Die zweite, die "amerikanische"
Phase des Krieges
Anfang August 1964 eskalierte der Krieg in Folge des
so genannten "Tonking-Zwischenfalles". Nordvietnamesische Torpedoboote
hatten unter ungeklärten Umständen am 2. und 4.August zwei US-Zerstörer im
Golf von Tonking angegriffen. Dem Angriff waren amerikanische
Geheimoperationen gegen Nord-Vietnam vorausgegangen. Der Zwischenfall
führte zur Verabschiedung einer Resolution durch den amerikanischen
Kongress am 7.August 1964, in der dem Präsidenten Lyndon B.Johnson
praktisch die Generalvollmacht zur Kriegsführung gegen Nord-Vietnam
erteilt wurde.
Im
Februar 1965 begannen die USA mit systematischen Bombenangriffen auf
strategisch wichtige, militärische und wirtschaftliche Ziele in
Nord-Vietnam sowie auf den Ho-Chi-Minh-Pfad in Laos und Kambodscha, über
den der Vietcong weiterhin seinen Nachschub aus dem Norden erhielt. Des
Weiteren verstärkten die USA ihre Truppen in Vietnam auf 185000Mann Ende
1965 und 543000 Ende 1968. Unterstützt wurden die USA außerdem von
SEATO-Verbänden aus Australien, Neuseeland, Südkorea und anderen Staaten.
Aber trotz ihrer zahlenmäßigen und materiellen Überlegenheit konnten die
USA mit ihren südvietnamesischen und SEATO-Verbündeten keine eindeutige
Entscheidung zu ihren Gunsten herbeiführen.
1965/66 signalisierten die USA mehrmals
Verhandlungsbereitschaft; Nord-Vietnam lehnte jedoch ab. Im Juni 1967 traf
sich Präsident Johnson mit dem sowjetischen Ministerpräsidenten Aleksej
N.Kossygin in der vergeblichen Hoffnung, mit dessen Hilfe Hanoi an den
Verhandlungstisch zu bringen.
Zugleich wurden die Bombardements in
Nord-Vietnam weitergeführt und sogar noch intensiviert; Wirtschaft und
Infrastruktur Nord-Vietnams wurden weitgehend zerstört, so dass das Land
schließlich fast vollständig auf Militär- und Wirtschaftshilfe aus China
und der Sowjetunion angewiesen war. Im Süden gingen die USA mit massiven
Hubschraubereinsätzen gegen die Vietcong-Partisanen vor. Trotz
großflächigen Bombardements mit Napalmbomben und des Einsatzes des
Entlaubungsmittels Agent Orange gelang es ihnen aber nicht, den Gegner
militärisch zu besiegen. Im November 1967 gab das Pentagon die
Gesamtzahlen der US-Verluste in Vietnam seit Ausbruch des Krieges 1961 mit
15058Toten und 109527Verwundeten an. Angesichts der steigenden Zahl der
Opfer wurden in den USA Forderungen laut, den Krieg unter allen Umständen
sofort zu beenden. Die finanziellen Aufwendungen beliefen sich nach
Angaben des US-Präsidenten auf jährlich 25MilliardenUS-Dollar.
zurück
Die Tet-Offensive
Im
Januar 1968 unternahmen nordvietnamesische und Vietcong-Truppen unter dem
nordvietnamesischen General Vo Nguyen Giap die groß angelegte,
überraschende Tet-Offensive (benannt nach dem Beginn der Offensive im
Monat Tet des vietnamesischen Kalenders) auf zahlreiche südvietnamesische
Städte, besonders Huë. Militärisch scheiterte die Offensive zwar, aber sie
demonstrierte äußerst effektvoll die Schlagkraft Nord-Vietnams und war
insofern politisch und psychologisch sehr erfolgreich.
Nach
der Tet-Offensive verschärfte sich sowohl in den USA als auch weltweit die
Kritik an der amerikanischen Vietnampolitik, insbesondere auch an dem
Einsatz chemischer Kampfstoffe und an den Angriffen auf die
Zivilbevölkerung, wie z.B. dem Massaker von My Lai. Bis zum Frühjahr 1968
hatte sich in den USA zudem die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Krieg in
Vietnam nicht zu gewinnen sei; die Verhandlungsbereitschaft war gestiegen
- auch auf nordvietnamesischer Seite. Am 31.März verkündete Präsident
Johnson das Ende der US-Luftangriffe auf Nord-Vietnam, das die Einstellung
der Bombardierung als Bedingung für die Aufnahme von Friedensgesprächen
gefordert hatte.
Zugleich ließ Johnson verlautbaren,
dass er sich einer Wiederwahl in das Präsidentenamt nicht stellen würde.
Am 13.Mai 1968 nahmen die USA und Nord-Vietnam in Paris
Waffenstillstandsverhandlungen auf, ab 1969 nahmen auch Süd-Vietnam und
der Vietcong an den Verhandlungen teil. Ergebnisse wurden vorerst nicht
erzielt. In Süd-Vietnam ging unterdessen der Krieg in unverminderter Härte
weiter.
zurück
"Vietnamisierung" des Krieges
(1969-1971)
1969
legte Johnsons Nachfolger Richard M.Nixon, um die Beendigung des
amerikanischen Engagements in Vietnam einzuleiten, wenige Monate nach
seinem Amtsantritt sein Programm der "Vietnamisierung" des Krieges vor,
d.h. des stufenweisen Abzugs von 90000US-Soldaten aus Vietnam bis Ende
1969, des Ausbaus der südvietnamesischen Streitkräfte und der sukzessiven
Übertragung der Verantwortung für die Kriegsführung an die
südvietnamesische Regierung.
Die
Pattsituation bei den Pariser Verhandlungen konnte jedoch weder durch den
US-Truppenabzug noch durch den Tod des nordvietnamesischen
Staatspräsidenten HO CHI MINH am 3.September 1969 überwunden werden.
Nord-Vietnam forderte weiterhin als Verhandlungsgrundlage den völligen
Abzug der US-Truppen aus Vietnam.
Im
April 1970 fielen US-Truppen nach dem antikommunistischen Putsch des
Generals Lon Nol zugunsten der neuen Regierung in Kambodscha ein, und 1971
bombardierten sie auch Laos, um einen möglichen nordvietnamesischen
Vorstoß entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades zu unterbinden. Beide Aktionen
wurden international verurteilt, intensivierten die antiamerikanischen
Proteste und waren zudem militärisch kaum erfolgreich.
zurück
Proteste in den USA
In
den USA formierte sich aus Protest gegen die amerikanische Kriegsführung
eine breite Friedensbewegung. Mit Fortschreiten des Krieges verzeichnete
sie einen wachsenden Zulauf, besonders nachdem Einzelheiten über die
amerikanische Kriegsführung bekannt wurden: vor allem über von US-Soldaten
an der vietnamesischen Zivilbevölkerung begangene Gräueltaten wie das
Massaker von My Lai. Auch weltweit organisierten sich nun zunehmend
Protestbewegungen.
1971
erfuhr die Vietnampolitik der USA durch die Veröffentlichung der so
genannten Pentagon Papers (Geheimdokumente des amerikanischen
Verteidigungsministeriums zur Vorgeschichte des US-Engagements in Vietnam)
in der New York Times und anderen Zeitungen eine neue Interpretation: Die
Unterlagen warfen ein völlig neues, und zwar ziemlich düsteres Licht auf
die Kriegsführung und die Friedensbemühungen der USA in den sechziger
Jahren.
zurück
Verhandlungsstillstand
Am
25.Januar 1972 legte Präsident Nixon einen Achtpunkteplan zur
Wiederherstellung des Friedens in Vietnam vor, der unter anderem
Präsidentschaftswahlen in Süd-Vietnam vorsah.
Dem
Friedensplan Nixons folgte eine überarbeitete Version des Friedensplanes
des Vietcong vom Juli 1971; dieser neue Plan forderte den sofortigen
Rücktritt des südvietnamesischen Präsidenten Thieu und sagte Verhandlungen
mit der Saigon-Regierung zu, sofern diese ihre Kriegspolitik aufgäbe.
Nord-Vietnam verlangte ebenfalls den sofortigen Rücktritt des
südvietnamesischen Präsidenten. Außerdem sollten US-Kriegsgefangene erst
dann freigelassen werden, wenn die USA ihr Engagement in Vietnam beendet
hätten. Am 23.März wurden die Verhandlungen in Paris
abgebrochen.
Am
30.März startete Nord-Vietnam eine breit angelegte Offensive bis in die
Provinz Quang Tri im Süden. Im April reagierten die USA mit einer
Gegenoffensive in Form von verheerenden Bombenangriffen auf Nord-Vietnam,
und am 8.Mai 1972 ordnete Präsident Nixon die Verminung der wichtigsten
nordvietnamesischen Häfen, darunter Haiphong, an, um die Versorgungswege
des Vietcong zu unterbrechen. Mit beiden Aktionen beabsichtigten die USA,
Nord-Vietnam unter Druck zu setzen und zu Zugeständnissen zu zwingen.
zurück
Erneute Eskalation
Ab
dem 8.Oktober 1972 fanden zwischen dem amerikanischen Sicherheitsberater
Henry Kissinger und dem nordvietnamesischen Unterhändler Le Duc Tho
vertrauliche Friedensgespräche in Paris statt. Ein Durchbruch wurde
erzielt, als Nord-Vietnam einem Friedensplan zustimmte, der getrennte
Vereinbarungen für den militärischen und den politischen Bereich vorsah,
von seiner Forderung nach einer Koalitionsregierung in Süd-Vietnam Abstand
nahm und gleichzeitig Verhandlungen über Laos und Kambodscha zustimmte. Am
26.Oktober gab Kissinger einen Neunpunktefriedensplan bekannt, in dem
allerdings technische Fragen ungelöst blieben, und den der
südvietnamesische Präsident Thieu als Verrat bezeichnete.
Mit
der Wiederaufnahme der Gespräche zwischen Kissinger und Le Duc Tho am
4.Dezember 1972 war seit dem Beginn der Pariser Verhandlungen 1968
erstmalig das Zustandekommen eines Abkommens in Sicht. Am 16.Dezember
stagnierten die Verhandlungen jedoch erneut, und zwei Tage später ordnete
Nixon die massive Bombardierung von Hanoi und Haiphong an; diese Angriffe
galten als die schwersten des Vietnamkrieges und schockierten die
Bevölkerung nicht nur in den USA.
zurück
Vorläufiger Frieden
Anfang 1973, nachdem die USA ihre Angriffe nördlich
des 20.Breitengrades eingestellt hatten, wurden in Paris die
Friedensgespräche weitergeführt. Nach sechstägigen Beratungen zwischen
Kissinger und Le Duc Tho gab Nixon am 23.Januar 1973 bekannt, dass ein
offizielles Waffenstillstandsabkommen erreicht worden sei.
Am
27.Januar unterzeichneten die Vertreter der USA, Süd-Vietnams,
Nord-Vietnams und der Provisorischen Revolutionsregierung Süd-Vietnams ein
Abkommen zur Beendigung des Krieges und zur Wiederherstellung des Friedens
in Vietnam. Der Waffenstillstand trat offiziell am 28.Januar 1973 in
Kraft.
Das
Waffenstillstandsabkommen forderte die vollständige Einstellung sämtlicher
Kampfhandlungen, den Abzug der gesamten Truppen der USA und ihrer
Verbündeten innerhalb von 60Tagen nach Unterzeichnung des Abkommens, die
Herausgabe der Kriegsgefangenen beider Seiten innerhalb von ebenfalls
60Tagen, die Anerkennung der entmilitarisierten Zone als einer nur
provisorischen und nicht politischen oder territorialen Grenze, die
Einsetzung einer internationalen Kontrollkommission zur Überwachung der
Einhaltung des Friedens; außerdem sollte ein "Nationaler Versöhnungsrat"
aus Vertretern der südvietnamesischen Regierung unter Nguyen Van Thieu,
der Provisorischen Revolutionsregierung der FNL sowie anderer
Oppositionsgruppen zusammentreten, um allgemeine Wahlen in Süd-Vietnam
vorzubereiten; diese Verhandlungen scheiterten jedoch. Das Abkommen
gestattete außerdem den weiteren Verbleib von 145000 nordvietnamesischen
Soldaten in Süd-Vietnam.
zurück
Die dritte Phase des Krieges: der Bürgerkrieg
Bis
Ende März 1973 hatten die USA alle ihre Truppen aus Vietnam abgezogen,
Süd-Vietnam jedoch weitere wirtschaftliche und militärtechnische Hilfe
zugesagt.
In
Vietnam gingen die Kämpfe zwischen kommunistischen Einheiten und
südvietnamesischen Regierungstruppen trotz des Waffenstillstandsabkommens
weiter; beide Seiten suchten ihre Gebiete zu verteidigen bzw. auszuweiten.
Ende 1974 begannen die nordvietnamesischen Truppen eine Großoffensive
gegen den Süden; die südvietnamesischen Truppen, jetzt ohne die
Unterstützung seitens der USA, mussten sich nach und nach zurückziehen,
und nach dem Fall von Huë Mitte März 1975 war der Krieg für Süd-Vietnam
verloren. Am 21.April trat Präsident Nguyen Van Thieu zurück, am 30.April
wurde Saigon eingenommen, und am selben Tag kapitulierte Süd-Vietnam
gegenüber der Provisorischen Revolutionsregierung der FNL. Am 2.Juli 1976
wurde mit der Errichtung der Sozialistischen Republik Vietnam der
gesamtvietnamesische Staat wieder hergestellt.
zurück
Auswirkungen
Im
Vietnamkrieg wurden schätzungsweise zwei Millionen Vietnamesen getötet,
drei Millionen verwundet und Hunderttausende von Kindern als Waisen
zurückgelassen; etwa zwölf Millionen Menschen verloren ihre Heimat. In den
von politischer Repression und massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten
gekennzeichneten Nachkriegsjahren von 1975 bis 1982 emigrierten rund
1218000 Vietnamesen und ließen sich in über 16 anderen Ländern nieder.
Etwa 500000Vietnamesen, die so genannten Boat people, versuchten, in
kleinen Booten über das Südchinesische Meer aus Vietnam zu entkommen;
viele kamen dabei um. Jene, die überlebten, sahen sich selbst in den
Ländern, die zuvor Vietnamesen aufgenommen hatten, mit
Einwanderungsverboten oder zumindest -beschränkungen konfrontiert.
Das
Land Vietnam selbst wurde aufs schwerste in Mitleidenschaft gezogen: Die
Flächenbombardements hatten Wirtschaft und Infrastruktur zerstört, und der
großflächige Einsatz von Napalm und Entlaubungsmitteln verursachte
verheerende, zum Teil irreparable ökologische Schäden.
Auf
amerikanischer Seite fielen insgesamt etwa 57000 Soldaten und etwa 153000
wurden verwundet.
zurück
|